Typo nach Handbuch: einestages

Der Spiegel-Verlag hat ein neues Nesthäkchen. «einestages» heißt es und ist ein Print-Magazin, welches auf der gleichnamigen Web-Seite, die seit gut einem Jahr existiert, basiert und typografisch ganz oben mitspielt.
Die Titelseite erinnert ein wenig an brandeins, wirkt aber lockerer und mit der fetten Typo am unteren Ende nicht ganz so gerade. Irgendwie wollen sich auch Parallelen zur NEON aufdrängen, die sich jedoch im Inneren des Heftes zerschlagen.
Haupttypo ist die Stone Serif aus deren Koffer sich gut bedient wurde. Der gewählte Schnitt und dessen Größe im Haupttext wirkt anfangs recht klein, erweist sich aber durchaus als lesbar. Einzüge in den ersten Absatzzeilen und die generell große Anzahl an Absätzen lassen das Auge wie von allein über die Texte fliegen. Dafür spricht auch der Satzbeginn ab 30 Millimeter unter den Seitenköpfen, auch bei den Fotos. Die weiße Fläche wird nur selten von matt mit geringem Tonwert gesetzten Jahreszahlen unterbrochen.
Die Seitenköpfe sind minimalistisch. Linien und der fette Schnitt der Sans in Versalien. Überschriften groß und wuchtig, Unterzeilen halbfett mit rot kursiv gesetzten Schlagwörtern. Farbe wurde im Allgemeinen sehr sparsam verwendet. Das Layout ergibt eine angenehme Graufläche, die mit den Farbtupfern der Überschriften und Headline (rot) im Kontrast steht. Zwischenzeilen simpel in Halbfett ohne Linien und Farbe.
Einziges Manko sind die gezeigten Bilder, die größtenteils aus alten Schwarz-Weiß-Fotografien bestehen. Hier konnte sich der Layouter nicht zwischen Graustufen und eingefärbten Fotos entscheiden. Da dies aber nur im Werner-Hullin-Artikel so ist, mag man davon ausgehen, dass das so gewollt war.
Im Großen und Ganzen hat der Layouter (laut Impressum Jens Kuppi) eine solide Arbeit abgegeben und typografisch ein sicheres Händchen bewiesen. Auf Experimente wurde verzichtet und der Satz bleibt in der Schwebe zwischen Klassik und Moderne mit einem Schwerpunkt: Lesbarkeit. Balsam für die Augen.
