Tiefdruckdebakel im Stern
In den vergangenen Aprilwochen kam es schleichend, jetzt ist es komplett. Das neue Layout des stern-Magazins plumpste vor gut einer Woche in Briefkästen und Kioske. Donald Schneider - im Editorial hochgelobt - ist der Verantwortliche und schreitet mit der neuen Aufmachung nahe am Typograb.
Die feinen Layoutänderungen sind ok und Geschmackssache, daran will man sich gar nicht aufhängen, nur hat der gute Mann sich irgendwie mit der Texttypo vertan. Ich dachte ja immer, der stern sei eine Zeitschrift, ein Magazin. Guckt man jetzt über das klapprige Spaltenlayout, die gedrungene und viel zu mächtige Texttypo, kann man schnell in den Glauben verfallen, dass Zeitungslayout der Neunziger wieder angesagt ist.
In Zeiten, in denen jede Tages- oder Wochenzeitung Magazinähnlicher wird, mag das mutig klingen, ist es aber nicht. Denn im Vordergrund sollte ja immer die Lesbarkeit stehen, die der stern jetzt eingebüßt hat. Schon die schmalen Spalten, die jedes Lokalwochenblatt unterbieten und eigentlich deshalb eingeführt wurden, um Minianzeigen (Werbung) besser unterzubekommen, sind fehlplatziert. Es gibt nunmal keine solchen Minianzeigen im stern. Und die Ausrede, dass diese Spaltigkeit den Gestaltern mehr Spielraum im Beitragslayout geben soll, ist ehrlich gesagt ein schaler Witz.
Doch das weitaus Schlimmere ist die Wahl des normalen Textfonts. An sich ist es eine schöne Schrift. Das schöne kleine e, eine schicke Kursive…; all dies ist jedoch ungeeignet für diese Textgröße, zudem sehr schmal und in einem etwas fetterem Kleid, als der Vorgängerfont. Gerade bei textlastigen Artikeln zeigt sich schnell eine sichtbare Bleiwüste und ein überdimensionierter Grauwert. Sowas passiert eben, wenn man eine Buchschrift in viel zu kleiner Form für ein Magazin verwendet.
Man muss wissen, dass der Stern im Tiefdruckverfahren gedruckt wird. Dies ist eine Druckart, die sich erst ab sehr hohen Auflagen rentiert, jedoch schneller ist, als jeder andere Druck. Vorteile sind die satten und kräftigen Farben. Die Nachteile werden dafür billigend in Kauf genommen: unscharfes Schriftbild und der sogenannte Sägezahneffekt an den Schriftkanten. Darum sind kleine und serifenverspielte Fonts für diese Druckart tabu. Das sollte Herr Schneider eigentlich wissen. Aber es war ihm allem Anschein nach egal. Oder er wusste es nicht. In beiden Fällen ein Armutszeugnis. Schade eigentlich…
22. April 2009 um 13:12
der fachausdruck heißt verschlechtbessern ;-)